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Cover-Entwicklung

  • 20. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Jan.

Bitte nicht so hübsch!


Dieser Beitrag schreibt nicht mein Alter Ego, sondern die Grafik-Designerin in mir.

Ähnlich wie bei der Titelsuche ist das Coverdesign mindestens genauso wichtig, denn es ist der Eyecatcher schlechthin.


In einer immer oberflächlicher werdenden Welt ist es leider so: Ein Buch, das es nicht schafft, den Blick auf sich zu ziehen, wird übersehen. Egal, wie toll die Geschichte darin ist.

Natürlich gibt es Ausnahmen: Es ist ein Lesetipp, es wurde von deinem Lieblingsautoren geschrieben, du hast es geschenkt bekommen oder du bist wertungsfrei und dir ist es schnurz, wie das Buch aussieht, Hauptsache, die Geschichte ist gut. Das ist ein nachvollziehbarer Gedanke, denn schließlich nützt ein schickes Cover nichts, wenn die Story darin Schrott ist.

Die Masse allerdings will das Gegenteil.


Ich will die Mitte. Einen guten Text und ein schönes, passendes Cover.

Jetzt ist es mit der Cover-Entwicklung wie mit allen anderen Dingen: Man muss sich erst einmal eingrooven. Um zu wissen, was derzeit angesagt ist – ähnlich wie mit der Mode –, durchstreife ich virtuell sowie auch körperlich Buchhandlungen. Mache mir mentale Notizen darüber, welche Schriften auf den vorderen Rängen liegen, welche Farbwelt bevorzugt wird, wie mit Illustrationen umgegangen wird, wo der Blickpunkt liegt. Ich könnte jetzt fürchterlich ausholen, erspare euch aber den Ausflug in meinen erlernten Beruf; wie ihr merkt, übe ich ihn gerne aus.


Die ersten Layouts sind dann immer erst einmal scheiße. Richtig unterirdisch. Es folgt die Phase, in der ich mir sicher bin, meinen Beruf verlernt zu haben, und ich alles hinschmeißen möchte. Ja, es ist mir unangenehm, das zu berichten. Aber da ich jemand bin, der ungern zugibt, in dieser Hinsicht monumental versagt zu haben, sitze ich spätestens drei Tage danach wieder am Rechner. Und siehe da: Es wird.


Bei der Em- und Leo-Reihe ist mir aber etwas vor die Füße gefallen, mit dem ich nicht gerechnet habe: Meine Cover waren zu hübsch und zu jung. Meine Lieblingsbuchhändlerin, die mich gleichzeitig schon seit einiger Zeit als Testleserin begleitet, wies mich bei meinem ersten vorzeigbaren Entwurf darauf hin. Ihr Fazit: Entweder die Protagonisten jünger oder das Cover älter. Schlichter. Am besten keine Pastelltöne und kein Glitzer. Ansonsten würde mein Buch optisch in der Sparte New Adult landen und wenn dann eine Vierzehnjährige aus Versehen mein Buch kauft, weil sie sich den Klappentext nicht durchgelesen hat …


Kaum auszumalen, was dann passiert. Die Arme müsste das Buch umtauschen gehen, aber vermutlich würde ich eher eine schlechte Bewertung bekommen, weil das Cover ja implizierte, dass …

Verrückt, oder? Mir traut man zu, nach einem optisch ansprechenden Buch zu greifen, die Rückseite zu lesen und es dann bei Bedarf wieder zurück ins Regal zu stellen.

Gut, bin ja auch ne andere Generation.


Klar war allerdings, dass ich meine Protagonisten nicht jünger machen würde. Keinesfalls. Genau deswegen habe ich ja diese Liebesgeschichte geschrieben: Um bloß nicht wieder die Story der 15-jährigen Ella zu lesen, die sich in den Drummer einer Band verliebt hat.


Aber warum spricht man den Frauen ab einem gewissen Alter hübsche Cover ab? Verlieren wir im Tausch mit den Wechseljahren den Anspruch auf guten Geschmack? Wäre ja ein scheiß Handel.


Gott (oder wer auch immer): „Hier, bitte. Schweißausbrüche. Schlafprobleme. Haarausfall.“

Ich so: „Nee, danke. Du, lass mal. Ist eh schon anstrengend.“

Gott (oder wer auch immer): „So läuft das aber nicht.“

Ich: „Und wenn ich nicht will?“

Gott (oder wer auch immer): „Du musst! Du hast ein Ablaufdatum.“

Ich: „Na toll. Gut. Gib her den Scheiß.“

Gott (oder wer auch immer) (abwartend, schon leicht genervt, mit dem Fuß wippend): „Und?“

Ich: „Was denn noch?“

Gott (oder wer auch immer): „Her mit dem guten Geschmack. Hier, in die Kiste. Nein, Jo, nicht schummeln. Alle Pastellfarben und den Glitter auch. Schönen Tag dann noch.“

Ich so: A …!


Nun gut. Spaß beiseite. Ein Kompromiss musste her. Also war meine Vorgehensweise folgende: Immer wenn ich ein Cover entwickelt hatte, habe ich meine Kinder vor den Rechner gebeten. Fanden sie es so richtig, richtig, richtig schön und haben so Dinge gesagt wie: „Mami, das würde ich sofort kaufen!“, wusste ich, ich muss noch einmal ran.


Ein paar Durchläufe hat es gebraucht. Jetzt finden sie das Cover „nur“ schön, aber passend. Als meine Älteste (18) allerdings las, dass meine Protagonisten 43 und 35 Jahre alt sind, verzog sie das Gesicht und murmelte: „Ihh, Alte-Leute-Sex. Cringe!“

 
 
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Hi, danke fürs Vorbeischauen!

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Ich bin fürchterlich schlecht in Social Media, prophezeie, dass ich mich nie daran gewöhnen werde und versuche nun, mit dem Blog einen Mittelweg einzuschlagen. Ein Kompromiss, sozusagen. Ob es funktioniert, wird sich zeigen. Ich werde mein Bestes geben!

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