Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt
- mail94694
- 21. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Dez. 2025
Die Freiheit der Autoren

Wenn man die Chance hat, sich seine Protagonisten zu stricken, wie man sie möchte, dann aber bitte! Und das ist mir in Bezug auf Em, der weiblichen Hauptperson aus meinem neuen Buch "Grey Clouds", sehr leicht gefallen:
Beruflich erfolgreich.
Ja, genau. Das können wir nämlich.
Tough!
Jawohl, das sind wir.
Ein bisschen brummig.
So wird man, wenn man Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss.
Gescheitert.
Das sind wir schließlich in der ein oder anderen Beziehung alle schon einmal.
Der jüngere heiße Typ verguckt sich in sie?
Ja, bitte! Genau deswegen schreibe ich das Buch!
Demenz.
Fuck! Ja. Denn die ein oder andere Krankheit holt uns ein. Und je älter wir werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit.
Eine anstrengende Familie.
Haben wir die nicht alle?
Laptop auf und drauflos geschrieben. Ohne plotten. Ohne Struktur. Ohne irgendetwas. Ich hatte eine Szene im Kopf und habe sie rausgelassen.
Ehrlich gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass ich mehr als drei oder vier Kapitel durchhalte. Eigentlich hatte ich eine Wette mit mir, dass ich spätestens dann vor Langeweile in eine Schockstarre verfallen und das Projekt, wie schon viele davor, enden lassen würde.
Aber irgendwie war ich selbst neugierig, wie sich die Geschichte zwischen Em und Leo entwickelt.
Habe ich den Laptop aufgeklappt, um loszulegen, wusste ich selbst nicht, was ich schreiben würde und war am Abend überrascht darüber, welche Momente die beiden erlebt hatten.
Genausowenig hatte ich eine Ahnung, wie ihre Geschichte enden sollte. War ich gut gelaunt, war ich gewillt, ihnen ein Happy End zu gestatten. War ich mies drauf, sah ihre Zukunft düster aus. Letztendlich – und Achtung, hier kommt jetzt ein Spoiler! – habe ich mich dazu entschieden, ihnen ein gutes Ende zu geben, denn die Realität ist hart genug. Wichtig war mir vor allem, Ems Entwicklung zu beschreiben.
Aber glaubt mir, das ist nicht die richtige Vorgehensweise, ein Buch zu schreiben!
Unzählige Überarbeitungen sind der Beweis dafür. Aber ein Buch hatte ich auch nicht im Sinn. Der Gedanke kam mir erst, als mein Mann mich irgendwann darauf hinwies, dass das Dokument mehr als 400 DIN A 4 Seiten lang sei, und er mich fragte, was ich überhaupt schreiben würde.
Da ist mir bewusst geworden, dass mich meine Charaktere in ihre Welt gezogen hatten.
Ganz schön hinterhältig …
